Moin Moin in die Runde,

In meinem „früheren Leben“ habe ich als Filialleiter bei einem der größten deutschen Motorradzubehör- und Teile Anbieter gearbeitet und immer wieder fiel mir auf, wie viele Motorradfahrer mit schlechten oder gar falschen Helmen fahren.

Aber fangen wir mal von vorne an und beantworten drei Standardfragen, die typische für einen Helmkauf sind. Ich beantworte diese Fragen immer mit einer Gegenfrage, die viele Kunden zum Denken anregen.

  • Ich fahre doch nur einen kleinen Motorroller. Wo sind die Helme bis 50Euro?

Insbesondere Rollerfahrer sind oft mehr Kilometer pro Jahr unterwegs, als alle Motorradfahrer im Umkreis von fünf Kilometern zusammen. Egal ob Starkregen oder gar Schnee und Eis. Die 50ccm- Fahrer sind die Steher unter den motorisierten Zweiradtreibern und immer unterwegs aber damit auch einem hohen Risiko ausgesetzt, zu stürzen. Daher meine Gegenfrage: Ist ein 50€- Helm wirklich sinnvoll?

  • Ich hab eine blaue Maschine. Wo sind die blauen Helme?

Es gibt immer wieder erstaunlich viele Motorradfahrer, denen Optik wichtiger ist als ein guter Schutz. Meine Gegenfrage: Was interessiert deinen Kopf beim Unfall mehr? Durchgestylt einen Schädelbasisbruch erleiden oder vielleicht nicht 100%ig hübsch zu überleben?

 

  • Der Helm drückt mir so die Wangen zusammen. Habt ihr eine Nummer größer?

Jeder, der mit einem Motorrad etwas schneller unterwegs war, merkt ab 70-80 km/h, ob der Helm richtig sitzt. Die Murmel sollte definitiv nicht anfangen zu wackeln. Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen Tanzeinlagen ein Helm bei 200km/h überraschen kann. Daher die Gegenfrage: Würdest du mit zu großen Schuhen um die Wette laufen?

 

  • Mein Helm ist jetzt acht Jahre alt. Wie lange kann ich den noch fahren?

Wenn man den richtigen Helm gefunden hat, trennt man sich äußerst ungern. Aber auch ein Helm hat ein Ablaufdatum, da sich die Weichmacher verflüchtigen und somit der Helm hart wird und nicht mehr den Schutz durch seine Elastizität bietet. Hinzu kommt, dass sich das Innenpolster weicher wird und daher der Helm nicht mehr optimal sitzt. Ganz am Ende, fängt der Schaumstoff zu flocken an und löst sich auf. Auch nach einem Unfall, sollte der Helm unbedingt gewechselt werden. Meine Gegenfrage: Würde man einen Schuh bis auf den Fuß durchlaufen?

 

Okay ihr Lieben. Insbesondere bei dem letzten Punkt, muss ich mir an meine eigene Nase fassen. Mein Helm hat eigentlich auch schon lange seinen Zenit überschritten. Ich habe mir aber ganz fest vorgenommen, dass Weihnachtsgeld in eine neue Kopfbedeckung zu investieren. 🙂

Für euren neuen Helm, solltet ihr am besten in ein Motorradfachgeschäft gehen und euch ausgiebig beraten lassen. Ein guter Verkäufer erkennt an eurer Kopfform bereits, welcher Helm gut sitzen könnte. Für längere, schmale Gesichter passen z.B. Arai-Helme oft sehr gut. Ein eher rundliches Gesicht, braucht eher eine Helmform wie eine Shoei- Murmel.

Lasst euch nicht abschrecken, wenn der Helm euch beim Anziehen die Ohren langzieht (Achtung mit Gesichtspiercings!!). Das ist normal. Der Helm muss euch am Anfang die Wangen zusammen drücken, dass es fast unangenehm ist. Behaltet den Helm einige Minuten auf dem Kopf und prüft, ob ihr Kopfschmerzen bekommt. Brillenträger bitte checken, ob das Nasenfahrrad mit reinpasst. Einige Hersteller, z.B. Schuberth/BMW-Helme; Shoei haben dafür extra „Kanäle“ in den Helm eingearbeitet. Prüft unmittelbar nachdem ihr den Helm abgesetzt habt, ob ihr Druckstellen erkennen könnt, die sich rot absetzen. Diese sind insbesondere an der Stirn oft erkennbar und ein absolutes No-Go beim Helmkauf.

Achtet auf den Verschluss und wie bequem dieser für euch ist. Ein sogenannter Doppel-D-Verschluss (oft bei sehr sportlichen Helmen verbaut) ist am Anfang etwas fummelig aber da er eigentlich nicht geöffnet, sondern zum Absetzen nur gelockert wird, schnell recht praktisch.

Fragt beim Kauf an, ob ihr das Gerät auch beim Fahren ausprobieren könnt. Ein Helm der im Wohnzimmer angenehm sitzt, muss es nicht bei 250km/h tun. Auch auf dem Motorrad merkt ihr erst, ob euch der Helm vielleicht zu schwer ist. Insbesondere für die „Heizer“ und Tourenfahrer ist das Gewicht der Murmel entscheidend. Viele Fachgeschäfte bieten die Probefahrt an, wenn der Helm im neuwertigen Zustand zurückkommt.

Lasst euch nicht vom Preis abschrecken – eine ordentliche Kopfbedeckung kostet meist über 300€ und wie gesagt: Springt über euren Schatten und guckt auf guten Sitz und Qualität und nicht aufs Design!

Ansonsten meldet euch gerne, wenn ihr Fragen habt.

Bis bald und beste Grüße Tobi

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